Kavalleriesäbel M1811 (Blücher Säbel)
Hierbei handelt es sich m. E. um ein wirklich sehr gut erhaltenes Exemplar des sog. Blücher Säbels.
Wuchtige, beidseitig breit gekehlte und sehr scharf geschliffene Klinge* mit einschneidiger Spitze und Griff-Angel. Gefäß mit Griffbügelparierstange und beidseitigen Parierstangen-Lappen. Die kordelunterwickelte Griffhülse mit Handballenwölbung ist mit schwarz lackiertem Leder bezogen. Die Griffkappe ist mittels Quer-Niet durch die mittig angebrachten Grifflappen mit der Griffhülse und der Angel fest verbunden. Im obere Ende des Griffbügels befindet sich ein drei cm langer Faustriemen-Schlitz. Ein Ersatz-Stoßleder ist angebracht (das abgenutzte, originale Stoßleder ist vorhanden). Alle Säbelteile sind blank, d.h. kein tiefer Rostfraß. Alterspatina vorhanden. Stempelungen sind angebracht auf dem Klingenrücken, der Parierstange und dem Ricasso (Details sind unten aufgeführt).
*) leider gibt es offensichtlich auch Exemplare die aus falsch verstandenem Sicherheitswahn nachträglich abgestumpft wurden.
Scheide mit Schleifeisen und zwei beweglichen Tragringen. Mundstückmanschette sowie Deckplatte und Halteschrauben sind noch funktionsfähig montiert. Keine Dellen (Türklemmer) oder Schlagstellen. Alterspatina, keine tiefen Roststellen. Stempelungen sind quartseitig auf der Scheide und terzseitig auf dem Schleifstück angebracht (Details sind unten aufgeführt).
Der zugrundeliegende, originale Säbelentwurf des P-1796 von Le Merchant war ausschließlich zum „Hacken und Schlitzen“ („hacking and slashing“) und nicht zum Stoßen gedacht. Als Inspiration für die Entwicklung einer gebogenen Klinge, die zur Spitze hin tatsächlich breiter wurde, dienten Le Merchant die Schwertentwürfe der Ungarn, Türken und Mauren. Es waren deshalb auch die letzten 30 cm der vorderen Klinge, die im Kampf am meisten genutzt wurden. Dieser Bereich wurde dann oft vor einem Gefecht fast rasiermesserscharf geschärft. Insgesamt handelt es sich hierbei um ein offensichtlich seinerzeit depotmäßig sehr gut instandgesetzten Säbel mit Scheide.
Anmerkung:
Offensichtlich wurden seiunerzeit Säbel und Scheide auch bei unterschiedlichen Herstellern produziert. Bsp. “1796 light cavalry trooper's sabre, sword made by Woolley & Deakin, scabbard marked to James Thompson of London”. Heute sind Scheiden und Säbel mit gemischten Nummern weit verbreitet, da die Säbel auf dem Schlachtfeld eher verloren gingen als die dazugehörigen Scheiden. Bei der Einlagerung im Arsenal wurde auf „kriegsbrauchbaren Zustand“ geachtet, die Klingen und Gefäße repariert/überarbeitet und mit passenden Scheiden versehen. Nummerngleichheit der Säbel mit den Scheiden ist daher nicht die Regel. Siehe auch „Der Blüchersäbel“ von J.R. Seifert und Claus P. Stefanski, 2001.
Weitere Info zum Thema Blücher-Säbel:
Gerhard J.R. Seifert und Claus P. Stefanski, „Der Blüchersäbel“, ISBN 3-89715-535-4
https://armeemuseum.de/de/?option=com_content&view=article&id=1541:objekt-bluechersaebel-ausfuehrlich&catid=45:ausgewaehlte-objekte-beschreibung
Technische Daten (ca.)
Gesamtlänge mit Scheide 101,0 cm (gemessen äußerste Enden) Gesamtlänge Säbel 96,0 cm (gemessen äußerste Enden)
Sehnenlänge 82,2 cm (Basis bis Ort) Ricasso 1,0 cm Pfeilhöhe 6,1 cm Klingenbreite 40,0 / 37,0 mm (Basis, 10 cm vor Ort) Klingendicke 10,0 /2,3 mm (Rückenstärke Basis, 5 cm vor Ort)
Schwerpunkt 14,0 cm (ab Klingenbasis) Grifflänge 13,8 cm (incl. Parier, Griffkappe und Vernietung) Max. Bügelbreite 10,6 cm (Außenseite Bügel bis Außenseite Griffhülse)
Gewicht ca. 1220 g
Scheidenlänge 88,0 cm (Sehnenlänge, gemessen äußerste Enden) Scheidenbreite 52,0 / 44,5 cm (Mundstück / am Schlagstück, 7 cm lang) Scheidendicke 23,6 / 21,0 cm (Mundstück / am Schlagstück) Befestigung Halteringe 8,6 / 37,4 cm (Abstand an Scheidenmund) Scheidenbänder 36,0 / 5,0 mm (Außendurchmesser / Dicke Ring) Gewicht ca. 1030 g
Stempelungen
Klingenrücken (ab Basis) Majuskel-M-Krone, 54, FW, Krone, 504 FW = Fridrich Wilhelm III (Staatseigentum / Revisionskennzeichnung) 54 = 1854, Jahr der Vereinnahmung zum preußischen Militär-Ärar 504 = Depotnummer
Parierstange (terzseitig) B . T . 2 . 43 504 D 1 BT = Brücken-Train (Train = militärische Transportwesen) 2 = 2. Infanteriedivision 43 = Waffennummer 504 = Depotnummer D = Danzig 1 = Infanterie-Regiment Nr. 1
Parierstange (Unterseite) I . W . S
Ricasso (quartseitig) A. WERTH (Hersteller ab 1847, unter Parierlappen)
Scheide (quartseitig) 10 . r .E . 101 . 10 = 10. Feldartillerie-Regiment r = N/A E = N/A Säbel Nr. 101
Scheide (Schlagstück) S für S&K (Schnitzler & Kirschbaum, Solingen, 1811 – 1865) Das „&K“ der Stempelung ist offensichtlich im Rahmen depotmäßiger Instandsetzungen weggeschliffen worden.
Für ernsthafte Interessenten: Eine PDF Beschreibung mit hochauflösenden Fotos kann angefordert werden.
Das in Bild 6 abgebildete Büchlein "Der Blüchersäbel" von G. Seifert und P. Stefanski ist nicht Bestandteil dieser Auktion!
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